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Wir sind auf Spiegel-Online (SPON)! PDF Drucken E-Mail
  

Wow! Nach unserem Radio-Interview und dem darauf folgendem Bericht über die HomeCon IV, sind wir nun auch mit einem Artikel bei Spiegel Online (SPON) vertreten. Ja, ich sage "wir", auch wenn ich den Artikel verfasst habe. Aber ohne den Holger, wären die Artikel-Bereiche hier auf der Site eine One-Man-Show und ich würde gar keinen Bock haben, noch was zu schreiben. Seine Begeisterung für den alten Kram steckt halt immer wieder an.

Der Artikel wurde natürlich vom zuständigen Redakteur, Konrad Lischka, etwas überarbeitet und gestrafft, denn ich bin nun mal eine Labertasche. Aber mindestens einen Schreibfehler hat er trotzdem übersehen. 

Das Ganze kam in's Rollen, als ich zufällig auf SPON die neue Rubrik "Yestertech" las. Dort fragte Konrad Lischka nach der Meinung der Leser - er wollte wissen, wer für uns die Pioniere des Computerzeitalters gewesen wären. Aufgeführt waren natürlich die üblichen Verdächtigen, die die Leute noch kennen. Unter anderem auch ein Atari VCS! *schnauf* Da musste ich ihm widersprechen und das gute, alte G7000 in's Feld führen. Da ich keinen besseren Bericht über das G7000 kenne, als meinen... *schnüff-schnüff* Puh! Was stinkt denn hier plötzlich so? ... habe ich ihm in meiner ausführlich begründeten Antwortmail auch einen Link hierher geschickt.

Der Mann war sehr angetan von meiner persönlichen Sichtweise auf das G7000, und er fragte, ob ich nicht einen Bericht für "Yestertech" schreiben wolle. 

Hallo? Wann hat man denn die Gelegenheit auf SPON zu erscheinen? Geld gab es keines, nur die bekannten warholschen 15 Minutes. 

Zum Glück konnte ich auf Material zurückgreifen, dass ich in meiner angefangenen "Homecomputer"-Biographie noch auf der Platte schlummern hatte. Trotzdem packte mich so eine Art "Lampenfieber" mit einhergehender... ich will nicht sagen "Schreibblockade", aber doch sowas in der Art. Ich hatte ständig potentielle fachfremde Leser im Hinterkopf, so dass ich mich beim Schreiben irgendwie verkrampfte. Ich finde, dass man das an einigen Ecken auch merkt.

Die Bilder in meinem ursprünglichen Bericht gingen ja gar nicht. Also bemühte ich mich, Bilder zu machen, die nicht ganz so peinlich wären. Ohne gute Kamera, mit einem von den Kindern geklauten, blauen Karton und nur mit zwei einfachen Halogenlampen bewaffnet, ging ins ans Werk. Das A und O ist eine kurze Belichtung und eine weitgehend schatten-, blend- und spiegelfreie Beleuchtung. Kniffliger als man denkt, wenn man keine Lichtstreuer hat. Das spätere Freistellen im Photoshop war dann auch nur eine Sache von Minuten. Schlecht ausgeleuchtet ist es auf der anderen Seite aber fast unmöglich.

Der Artikel erschien heute auf SPON als "Das Telespiel mit dem Supermampfer".

 

Hier der "Director's Cut":

 

In einem einzigen, durchschnittlichen Kinderzimmer befindet sich heutzutage eine Rechenleistung - in Form von Computern, Spielkonsolen, MP3-Playern und Mobiltelefonen - die vor vierzig Jahren alle Rechner der Welt, auch zusammengenommen, nicht erreichten.

Unsere Kindheit war damals irgendwie mehr “mechanisch”. Mitte der siebziger Jahre kannte ich daher Computer nur aus Science-Fiction-Filmen. Bei meinem Onkel durften wir aber ab und zu an einem Pong-Telespiel spielen. Das war so eine Art stilisiertes Tennis mit zwei Balken und einem eckigen Ball. Natürlich in schwarz/weiss und Mono, ganz klar. Auch der Ton bestand nur aus zwei verschiedenen, elektronischen Pieps-Geräuschen. 

Onkel Hansi sprach fast ehrfürchtig über sein Gerät: Es sei ein Abfallprodukt der Mondlandung. Wahnsinn! Wir waren beeindruckt! Weit weniger ehrfürchtig verbrachten wir dann viele Stunden lang mit diesem archaischen Telespiel vor dem flimmernden Fernseher und hatten dabei jede Menge Spielspass. Ich erinnere mich gut an das völlig neue Gefühl, etwas auf der Mattscheibe direkt steuern zu können, statt nur passiv das Programm der drei verfügbaren Sender zu konsumieren.

Nunja, vieles in den Siebzigern wurde als "Abfallprodukt der Weltraumfahrt" bezeichnet ohne dass es dies tatsächlich war. Die Teflonpfanne ist so ein populäres Beispiel der Fehlinformation. Aber was soll’s? "Weltraumtechnik" klang ungeheuer wichtig und gab einem profanen Spielgerät den Hauch der Hochtechnologie. 


(Weltraumtechnik: Die Odyssey 2001, der Vorgänger des G7000)

Tatsächlich wurden die Mikroprozessoren erst zum Ende der Dekade hin immer schneller und leistungsfähiger. Die Firma Intel brachte ein noch heute gebräuchliches Computersystem heraus, welches auf einen einzigen Chip passte. Unter anderem war es das Herzstück der Motorsteuerung vieler VW-Fahrzeuge. Ein Tochterunternehmen von Philips, Magnavox, entwickelte um diesen IC herum ein Telespielsystem, das Odyssey 2, in Europa meist als Philips G7000 bekannt.


(Philips G7000 - aka Odyssey 2)

Dieses Gerät war bereits eine Spielkonsole der so genannten zweiten Generation und erschien bei uns im Jahr 1979. Auch wenn sich gemeinhin Atari als Erfinder der Telespiele in den Köpfen der Leute festgesetzt hat, war es doch in Wahrheit die Firma Magnavox, die die ersten Spielkonsolen unter dem Namen “Odyssey” auf den Markt brachte. 

Im Gegensatz zum G7000 war aus damaliger Sicht das Atari VCS 2600 das System mit der besseren Grafik und dem komplexeren Sound - aus heutiger Sicht sind die Unterschiede freilich nur marginal. Beide lieferten erstmals ein Farbbild auf dem man nun unterschiedliche Spielfiguren gut erkennen konnte, sowie einen mehrstimmigen Ton, der weit über der bisher gekannte Piepsen hinaus ging.

Das Atari VCS war 1981 zwar unangefochtener Marktführer, aber leider genau das Gegenteil von dem, was ich haben wollte. Das Design war ur-amerikanisch: Eine "Holzblende" aus Plastik, schwarzes Kunststoffgehäuse und silberne Kippschalter, wie aus dem Armaturenbrett eines 70er-Jahre Strassenkreuzers, entsprachen kaum dem Geschmack der anbrechenden 80er Jahre - und meinem erst recht nicht. 

 


(Traf nicht meinen Geschmack: Atari VCS 2600)

Erschwerend kam hinzu, dass mein Cousin Andreas, der Sohn vom Hansi, mittlerweile ein Atari VCS sein Eigen nennen durfte. Auf keinen Fall wollte ich dann auch eines haben. Da musste unbedingt was anderes her. 

 

Das Gerät von Philips war die einzige Spielkonsole, die durch eine eingebaute Tastatur nicht nur wie ein Homecomputer aussah, sondern auch mit zwei verschiedenen Computermodulen annähernd deren Leistungsfähigkeit erreichte. 


(Nummer 9, Computer Programmer, meine Hassliebe)

Das Design wirkt auch heute noch frisch und modern, was aber daran liegt, dass es ein wenig überzeichnet ist und eben wie aus einen SciFi-Film daherkommt: Relativ flach, pultförmig und in eleganten Silber mit schwarzen Akzenten war es schon immer ein Hingucker. Meine Mutter hatte sich damals erst einen brandneuen, stylischen Highend-Fernseher von Loewe gegönnt, dazu passte das Philips G7000 perfekt. Holzdekor aus Plastik geht da gar nicht. Aber ich hatte ja leider noch gar kein G7000!

Die Konsole alleine kostete um die 350,- DM (ca. 175,- EUR) und pro Spiel musste man rund 89,- DM (ca. 45,- EUR) anlegen. Etwas ältere Module konnte man im Angebot in den neu aufkommenden Elektronikmärkten auf der grünen Wiese für 50,- bis 70,- Mark (25,- bis 35,- EUR) erwerben. Das war deutlich weniger Geld als von Besitzern eines Atari verlangt wurde. Klingt günstig? Nein, damals betrug der Preis z.B. für einen Liter Benzin auch nur -,45 EUR!

Kurz vor Weihnachten 1981 war ich mit meiner Mutter und meinem Bruder in der Metro in Kassel. Wie immer zog es mich zur Videospielabteilung. Das Objekt meiner Begierde stand in einer Glasvitrine und glitzerte silbern wie ein Juwel.  Es wirkte im kalten Licht der Vitrinenbeleuchtung geradezu überirdisch technisch. Als ob es gerade aus dem Schaltpult eines Sternenzertörers... ach, was sage ich? Als ob es direkt aus dem Feuerleitstand des Todessternes ausgebaut worde wäre! So drückte ich mir die Nase an der Glastür platt, nur Zentimeter vom tollsten Stück Technik auf diesem Planeten getrennt. 

Normalerweise bereitete mir das Ende eines jeden Einkaufs in diesem Großmarkt geradezu einen körperlich zu spürenden Trennungsschmerz. Aber an diesem Abend schöpfte ich, durch das plötzliche Interesse meiner Mutter an dem Gerät, endlich Hoffnung. Sie fragte mich, welche Spiele mich denn so interessieren würden. Was hatte das zu bedeuten? Sollte ich eines zu Weihnachten bekommen? Die Zeit bis dahin dehnte sich fortan Richtung Unendlichkeit. Unter dem Weihnachtsbaum lag dann auch ein großes Paket, welches sich, nach dem hektischen Zerreissen des bunten Geschenkpapiers, als die Packung eines G7000 entpuppte. Ich war glücklich.

 


(Supermampfer-Screenshot)


("Supermapfer"-Packung)


("Weltraumomnster"-"Screenshot")

 

Zwei meiner Spiele, bei Philips “Videopac” genannt, waren “Weltraummonster” und “Super Mampfer", beides dreiste Kopien der erfolgreichen Spiele “Space Invaders” und “Pac Man”. “Super Mampfer” war allerdings tatsächlich deutlich besser als das Original. Zusammen mit meinem Bruder Mark spielte ich diese Spiele stundenlang - jedenfalls solange, bis wir den Fernseher wieder freigeben mussten oder uns die Hände durch die unförmigen Joysticks wehtaten.


(Ergonomie ist was anderes: G7000-Stick)

Das für mich wichtigste Videopac war zweifellos “Computerprogrammer”, welches die Programmierung der Konsole in Maschinensprache erlaubte. Folgte man der dicken Anleitung, und schaffte es die Befehle ohne doppelte Zeichen auf der heftig prellenden Folientastatur sowie ohne Fehler einzutippen, wurde man nach wenigen Stunden Arbeit einzig mit Männchen oder UFOs belohnt, die sich träge über den Bildschirm bewegten. Die Programme liessen sich gemeiner Weise nicht abspeichern, so dass alle Mühe vergeblich und verloren war, sobald man wieder etwas spielen wollte oder die Konsole ausschaltete. 


(Interface des G7000 Assemblermoduls "Computer Programmer) 

Interessant war, dass die Konsole keinen Netzschalter besass, sondern dass man den Stecker ziehen musste, um sie abzuschalten. Die Module wurden folglich im laufendem Betrieb gewechselt, eine Methode die andere Konsolen mit ihrem baldigen Ableben belohnt hätten.


(Videopac 38 mit charakteristischen Henkel - darauf befindet sich "Supermampfer")

Ich habe mich nie von meinem G7000 trennen können und baute in all den Jahren meine Spielmodulsammlung immer weiter aus. Mittlerweile habe ich auch zwei Brettspiele für das Gerät, die allerdings überdeutlich erklären, warum dieses Spielgenre ausgestorben ist. 


(OVP von "der Suche...")

Zusammen mit meiner Frau und unseren Kindern haben wir neulich “Die Suche nach den Ringen” gespielt. Dabei ersetzt die Spielkonsole nicht nur den Würfel, nein, man erkämpft sich das Weiterkommen auf dem Spielbrett in einem Minispiel auf dem heimischen Fernseher. 

 


(Das Spielfeld von "Auf der Suche nach den Ringen")


(Spielfeld im Ganzen)

 

Klingt toll, oder? Ja, schon - ist es aber leider nicht. Die Minispiele sind immer die gleichen, und auch nur vier an der Zahl. Die Schwierigkeit steigt nicht und liegt auf einem Niveau, welches auch die kurzsichtige Oma problemlos meistern kann. Freude kommt aber wenigstens dadurch auf, dass man in Teams kämpft und sich so gegenseitig anfeuert.

 


("Screenhot" von "der Suche...")


(Overlay für das Keyboard)


(Aaah! Burgenschlacht! Das macht Spass!)


("Burgenschlacht"-Hülle)

 

 

Dass wenig komplexe Spiele die wahren Klassiker sind und auch heute noch jung und alt begeistern können, beweist Videopac Nummer 20, “Burgenschlacht”. Dabei stehen sich zwei Ritter mit Katapulten und je einer Burg gegenüber. Ziel des Spieles ist, die gegnerische Festung mit gezielten Steinwürfen nach und nach zu zerstören. Je länger man den Joystick nach unten zieht und dann loslässt, desto weiter fliegt der Stein. Ein simples Prinzip, das jeder versteht, welches aber auch heute noch enormen Spass macht. Selbst meine Kinder und deren Freunde spielen dieses Spiel sehr gerne. Auch, oder gerade weil, deren Kinderzimmergerätschaften die Weltrechenleistung von 1970 weit übertreffen.

Euer Michael

Weitere Bilder:


(die Anleitung - na, wem fällt der Titel auf? Philips wusste selber nicht, wie das Ding nun heisst?)


(Spielbrett von "Die Eroberung der Welt")


(Die Anleitung - ist ein Loch drin! *schreck*)


(Reich bebildert, wenig Text - kennt man von meinen Berichten!)


(Goldene Anleitung zu "Eroberung der Welt)


(Der Nachfolger G7400 - war nicht wirklich besser)

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Aktualisiert ( Freitag, den 04. Dezember 2009 um 21:45 Uhr )
 

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