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Das Thema der VCFe 11.0 im Jahr 2010 war (Online-)kommunikation: Endlich wieder Reden. Die ersten Gedanken hierbei waren bei mir gleich DFUe – Datenfernübertragung.
Ein Thema was mich persönlich sehr berührt, da Ende der 80er und die 90er Jahre für mich die Datenfernübertragung die einzigste Möglichkeit war über Mailboxen (BBS) mit anderen einen schnellen Informationsaustausch zu realisieren. Da mich das Thema damals sehr faszinierte, habe ich selbst über Jahre eine kleine Mailbox in Berlin betrieben.
Hessi und ich haben im Vorfeld einige Telefonate geführt und darüber gegrübelt, was man realistisch auf der VCFe vorführen könnte. Es waren einige Ideen dabei und Themen wie BTX, aber am realistischsten war der Aufbau einer Demo Mailbox. Leider stand mir nicht mehr meine alte Mailbox Hardware zur Verfügung, aber ich war der Meinung, dass ich noch meine alte PC DOS bzw. OS2 Software auf einer 5 1/4 Zoll Diskette haben müsste.
So haben wir beschlossen eine Mailbox mit verschiedenen Einwahlrechner auf der VCFe aufzubauen. Die Besucher sollten nicht nur die Hardware sehen, sondern auch die Möglichkeit bekommen, sich in der Demo Mailbox umzusehen.
Der Begriff Mailbox wurde im deutschen Sprachgebrauch geprägt. Im Englischen hat sich die Bezeichnung Bulletin Board System (abgekürzt BBS) durchgesetzt. Eine Mailbox kann man heute mit einem Internetforum vergleichen. Der User hat eine Benutzerumgebung wo Nachrichten ausgetauscht werden können. Weitere Features wie das Downloaden von Dateien, email, chatten und Onlinespiele waren damals in einer Mailbox ebenfalls möglich.
Die Umgebung in einer Mailbox war damals recht einfach gestaltet und eine Mausunterstützung war eher selten.

Eine Mailbox bestand meistens aus einem Rechner mit entsprechender Software und zur Außenanbindung wurde mindestens ein Modem genutzt. Um sich in eine Mailbox einzuwählen benötigte der Besucher ebenfalls einen Computer mit einem Terminal- / Pointprogramm. Zur Einwahl wurde ein Akustikkoppler bzw. Modem genutzt. Die Modems ermöglichten den Datenaustausch über das Telefonnetz. Die meisten Mailboxen in Deutschland wurden privat betrieben und standen kostenfrei dem User zur Verfügung. Da es damals noch keine Telefonflatrates gab, war das Hobby für die meisten User unter Umständen recht kostenintensiv. Aus diesem Grund waren wohl viele User auch nicht bereit, sich an den Betriebskosten einer Mailbox zu beteiligen. Das der Sysop einen Computer, Software und oft mehrere Telefonleitungen (damals auch Ports genannt) bezahlen musste, was oft in die Hunderte von DM im Monat ging, zählte leider nicht.
Grundsätzlich haben Hessi und ich überlegt, dass wir drei Einwahlrechner den Besuchern zur Verfügung stellen wollten, welche damals oft im Einsatz waren. Zum Einsatz sollten ein C64, ein Amiga und ein PC kommen. Desweiteren wollten wir auch auf das Thema Geschwindigkeit der Datenübertragung eingehen, damit die Besucher auf der VCFe ein kleines Gefühl der alten Geschwindigkeiten bekommen.

Bildzusammenstellung: Telefon, Akustikkoppler, C64 Modem, Discovery 1200C+ und ISA Steckmodemkarte
Für das Projekt hatten wir einiges schon in unserem Fundus, aber es fehlte an einer kleinen Telefonanlage die eine Vermittlungsstelle simuliert und auch div. alte Modems. Ein alter PC für die Mailbox musste ebenfalls beschafft werden.
Nun gut, Ideen sind das eine, die Umsetzung eine völlig andere Geschichte. Als ersten Schritt wollte ich die Mailbox Software prüfen. Nach der Beschriftung einer 5 1/4 Zoll Diskette sollte sich dort noch eine Vollversion der Alphabox drauf befinden. Ja, man hebt einiges auf, wie 5 1/4 Zoll Disketten, aber hat natürlich in seinem aktuellen PC kein passendes Laufwerk mehr eingebaut. Logisch …
Da ich Typ Jäger und Sammler bin, hatte ich in meinem Fundus noch ein entsprechendes Laufwerk und dieses wurde auch schnell in meinen PC eingebaut. Ab ins BIOS und .... eine mächtige Überraschung ! Mein PC kennt kein Laufwerkstyp 5 1/4 Zoll Einstellung mehr ... Darauf hin habe ich die Rechner meiner Frau und Junior geprüft und musste verwundert feststellen, dass auch hier kein altes 5 1/4 Zoll betrieben werden konnte. Es wird wirklich überall gespart, selbst im BIOS von PCs.
Von der Sache her hatte ich noch ein 1 GHz Motherboard mit Zubehör in einer Verpackung schlummern, aber für die Mailbox sollte ein älteres PC Modell an den Start.
Da im Bekanntenkreis niemand einen alten PC mehr auf seinem Speicher/Keller stehen hatte, startete ich in Ebay & Co die Suche nach einem alten kompletten DOS Rechner. Im Gegensatz bei der Suche nach den Modems und der TK Anlage, hatte ich gleich Glück beim PC. Ich fand eine Auktion mit einen alten 350 MHz PC mit installiertem Win95 ohne Gebot. Also 1 Euro und ein paar Tage gewartet und 3.2.1. den Zuschlag bekommen. Da es sich um ein ausgebauten Big Tower handelte kamen noch 10 Euro Porto und Verpackung dazu. Ich denke, das ist in solch einem Fall mehr als in Ordnung.
Und Ebay hat auch noch gleich ein Witz nach der Auktion geschossen. Die Auktion wurde wegen vermutlicher Raubkopie (Angebot mit installierten Win95, aber ohne Original CD) gesperrt, wobei Ebay darauf hinwies, dass bei regulärer Beendigung der Auktion, Bieter und Anbieter einen Vertrag eingegangen sind. Schon klar … Da der Verkäufer verunsichert wurde, hat er vorgeschlagen, dass er die Festplatte formatiert. Ich hatte kein Problem damit, da ich so oder so wegen der Mailbox, DOS oder OS/2 installieren wollte.
Die Brüder von Ebay waren mit ihrer Sperrung irgendwie schon witzig, aber DHL hat leider den Vogel total abgeschossen.
Ich hatte einiges in diesem Zeitraum ersteigert und da ich berufstätig bin, hatte DHL entsprechend einige Benachrichtigungskarten in meinem Briefkasten hinterlassen. Text kennt man ja, nächsten Werktag kann das Paket in der Postfiliale abgeholt werden. Da nach einer guten Woche der PC noch nicht angekommen war, wurde der Verkäufer von mir angeschrieben ... dieser hat einen Tag später mit dem Trackingcode geantwortet. Dieses Paket war nach dem Code 1 Woche lang lagern in der Postfiliale und wurde an diesem Tag zum Absender zurück transportiert. Ach wie schön, mehrfach war ich in der Woche in dieser Fiale und keinem ist das große Paket für mich aufgefallen ... Super, vielen Dank ... Damit war mein Glück in Pech umgeschlagen. Ich war mächtig angefressen und wollte nicht nochmal 10 Euro in DHL investieren.
Nach dieser Geschichte habe ich mir mein fehlendes Material ohne DHL besorgt und doch mein altes 1 GHz Motherboard in Betrieb genommen.

Bild: Demo HomeCon BBS Rechner mit neuen 3 1/2 Zoll Diskettenlaufwerk
Nachdem ich den Mailbox Rechner zusammengeschraubt hatte, wurde von mir MS DOS installiert. Beim Sichten meiner 5 1/4 Zoll Disketten musste ich leider feststellen, dass viele meiner alten Disketten nicht mehr lesbar waren. Die besagte Diskette hatte zwar die Alphabox drauf, aber keinen Lizenzschlüssel. Super ... Somit habe ich auch meine alten 3 1/2 Zoll Disketten durchgesehen. Hierbei stellte ich fest, dass nicht nur div. 3 1/2 Zoll Disketten ihre Daten verloren haben, sondern dass auch das Laufwerk selbst sich Probleme bereitet. Somit habe ich mein letztes Diskettenlaufwerk aus meinem Fundus geholt und in den Rechner eingebaut. Es half alles nicht mehr. Ich hatte zwar einiges zum Thema DFUe und Mailbox aus den alten DOS Zeiten gefunden, aber nicht das, was ich wirklich brauchte.
Das Internet hat interessanterweise zum Thema Alphabox nichts ausgespuckt ... und somit habe ich über andere Mailboxprogramme nachgedacht. Auf der Suche nach Informationen bin ich über eine TelNet Mailbox gestolpert. Von einen alten Freund wurde ich zwar mal drauf hingewiesen, dass eine alte Mailbox aus Berlin wieder per TelNet zu erreichen sei, aber damals hatte der Funke nicht gezündet.

Screenshot: Crazy Paradise BBS Loginscreen
Ich habe mich in die Mailbox per TelNet eingewählt und versucht mich mit meinem alten Usernamen Giri zu registrieren. Da der Name Giri belegt war, habe ich, mich mit meinem jetzigen Pseudonym Mugg angemeldet. Voller Staunen habe ich mich in dieser Mailbox umgesehen ... Eine gute alte Amiga Mailbox mit Tastendruck- und Wortsteuerung. Als heutiger Mausstupser ist man ganz schön verwöhnt. Heutige Foren bieten inzwischen ja einiges mehr an Komfort, aber an den Charme einer alten Mailbox kommen die nicht ran ...

Screenshot: Crazy Paradise BBS Anzeigetext nach wechsel von Menüebene zur Befehlsebene
Für mich war das wie eine kleine Zeitreise, denn meine erste eigene Mailbox war auch auf einem Amiga. Auch wenn ich eine andere Software hatte, war ich nur noch begeistert. Ich wurde mitten in meinen zeitlichen Schwelgen vom Sysop Iron in den Chat geholt.
Seine Begrüßung war kurz und bündig. Deine Emailadresse erinnert mich an den Typen der mir in meiner Anfangszeit der Datenfernübertrag geholfen hatte ... Berlin ist halt ein Dorf ;) ... ja, Iron hatte ich über einen Kollegen mal kennengelernt und damals mit den ersten Terminalprogrammen und Tipps & Tricks ausgeholfen. Der letzte Kontakt zwischen uns war wohl weit über 10 Jahre her, das war natürlich ein großes Hallo zwischen uns beiden ... Mein alten Namen Giri habe ich auch in der Mailbox wieder bekommen, denn der Name war für mich reserviert :-) ...
Ich habe Iron von dem Projekt erzählt und Hoffnung gehabt, da er damals selbst zeitweise mit der Alphabox gearbeitet hat, vielleicht doch noch leihweise zu einer Lizenz zu kommen. Aber leider hatte er auch nichts mehr. Er konnte mir bestätigen, dass ein Kontakt zum Programmierer scheinbar nicht mehr möglich ist. Iron konnte mir noch ein paar nützliche Tipps geben. Es kam sogar die Idee auf, vielleicht seine Mailbox und die BBS HomeCon auf der VCFe 11.0 mehrfach pollen zu lassen.
Schöne Idee ... bevor das Internet seinen Siegeszug in Deutschland hatte, wurde der Emailversand für privat Leute meistens von Mailboxen übernommen. Hierzu haben sich die Mailboxen zu Netzen (z.B. im FidoNet) zusammengeschlossen und Daten ausgetauscht. Diese Technik haben sich auch viele User zu Nutze gemacht und haben mit einen Pointprogramm in eine Mailbox eingewählt. Die Einwahl wurde meistens Nachts gemacht, da die Telefontarife oft günstiger waren.
Iron wollte mich auch dazu überreden die Demo Mailbox auf einem Amiga aufzuziehen. Da mir zu diesem Zeitpunkt nicht die richtige Hardware zur Verfügung stand, bin ich beim PC geblieben.
Mit der Zeit habe ich verschiedene Freeware Mailboxsysteme getestet. Es ist schon interessant zu sehen, denn für fast jeden Computertyp wurde eine BBS / Terminal Software entwickelt. Für den PC und entsprechenden Betriebssysteme dürfte die meiste Software entwickelt worden sein. Ich habe mich zum Schluss für NBC Mail, EleBBS und Mystic entschieden. Die verschiedene Programme wurden von mir auf ihre Einsetzbarkeit getestet.
Hierbei wurden meine Erinnerungen etwas aufgefrischt. Begriffe wie FOSSIL oder DOORWAY Programme kamen hoch und auch wieder die Alpträume eines Sysops ...
DOS ist kein Multitaskingsystem wie Windows oder OS/2. Damit mehrere Ports / Modems betrieben werden können, wird wieder eine Zusatzsoftware benötigt. Das bekannteste System hierzu ist DesqView. Mit der Zeit der Tests ist mir auch wieder aufgekommen, dass oft eine gute Mailbox ein Jahr gebraucht hatte bis diese richtig gut lief und solch ein Zeitfenster stand nicht mehr zur Verfügung.
Der PC hatte nur von Hause aus zwei Seriellanschlüsse, aber wir benötigten mindestens drei. Aus diesem Grund haben wir uns nach entsprechenden Erweiterungskarten umgesehen. Hierbei hat sich gezeigt, dass die Preise recht teuer waren und haben auf interne Modemkarten umgeschwenkt. Leider gab es dadurch wieder neue Probleme. Nicht alle benötigten Treiber konnten auf die Modems zugreifen und es gab teilweise keine Gerätetreiber. Nach längerem Hin und Her, habe ich ein Wechsel auf Windows ME und der BBS Mystic gemacht. Ich wurde immer wieder gefragt, warum ich das instabile Win ME benutze. Einmal, es stand mir zur Verfügung und es ist für diesen Zweck nicht instabil gewesen ;) ...

Bild: Demo HomeCon BBS Rechner mit Steckmodemkarte

Screenshots WIN ME Infofenster
Mit diesen Wechsel haben wir einige Probleme (gerade wegen den Intern Modemkarten) beheben können. Die Installation und Einrichtung einer Mailbox dauert auch seine Zeit.

Screenshot Konfigprogramm der Mystic BBS Software
Die Mailboxsoftware Mystic von James Coyle gibt es für verschiedene Betriebssysteme und bietet auch eine Anbindung ans TelNet. Unter Windows war die Konfiguration gegenüber reines DOS doch etwas einfacher, aber dennoch musste noch einiges gemacht werden. Bei der Grundinstallation der Mailbox sind diverse Teilbereiche schon eingerichtet. Da die Mystic BBS ein Tastendrucksystem ist, mussten für jedes Menü in der Konfiguration Einstellungen vorgenommen werden. Zu den ganzen Funktionen wurden ein paar Bretter (Pinboards) eingerichtet, wo Nachrichten öffentlich gelesen und geschrieben werden konnten. Für jeden Port (Modemverbindung) wurde z.B. eine Batchdatei erstellt.

Stapeldatei zum Laden der Mailboxsoftware Mystic mit Lokal-Port
Über diese Stapeldateien konnte das Mailboxsystem beim Booten des Computers automatisch gestartet werden. Pro Port (Schnittstelle) wurden die entsprechenden Modems angesprochen, initialisiert und warteten auf einen Anruf. Damit die Modems sich korrekt verhalten, mussten per Hayes-Befehle (AT &F B2 X3) Einstellungen vorgenommen werden. Ruft jemand auf einer der Mailbox Telefonleitungen an, registriert das Modem den Anruf und gibt ein RING Signal an die Mailbox Software. Die Mailbox gibt den Port frei und veranlasst das Modem abzuheben. Jetzt kommunizieren die beiden Modems (oder Akustikkoppler) miteinander. Hierbei legen beide Geräte ihre maximale Datentransfergeschwindigkeit fest und danach werden die ersten Daten von der Mailbox zum Anrufer übertragen.

Screenshot: Lokales Login in die HomeCon BBS
Als erstes wird ein Login durchgeführt. Hier wird geklärt, ob man ein Gast oder User der Mailbox ist. Früher war es üblich, dass Gäste nur für 15 Minuten sich in der Box umsehen konnten und ggf. sich registrieren. User konnten sich entsprechend mit Name und Passwort einloggen. Früher war es üblich seinen kompletten richtigen Namen, Telefonnummer und Adresse anzugeben. Viele Sysops haben oft erst eine Registrierung abgeschlossen, wenn sie erst mit dem User telefoniert hatten. Damit hatte man eine kleine Möglichkeit User ggf. auch wieder auszuschließen, wenn diese sich nicht an die Hausregeln der Mailbox gehalten haben. Bei Neuanmeldungen wurden die Telefonnummern von der schwarzen Liste abgeglichen. Soweit ich weiß, eine Maßnahme die früher oft gegriffen hat. Auf der VCFe 11.0 hatten wir kein Gastmodus, sondern die Leute aufgefordert sich direkt anzumelden. In diesem Fall haben wir auch nur die Grundeinstellungen wie Username, Passwort abgefragt ;) …
Auf der VCFe konnten die Besucher so lange in der Mailbox verweilen wie sie wollten. Früher gab es in fast jeder Mailbox ein User-Rangsystem wo Onlinezeiten und Downloadkapazität geregelt wurden. Da die meisten Mailboxen nur eine oder zwei Telefonleitungen zur Verfügung hatten und es gewünscht war, dass viele User das Mailboxangebot nutzen, wurden die Onlinezeiten eingeschränkt. Gäste hatten oft nur 15 bis 30 Minuten und normale User bis zu 60 Minuten am Tag. Manche System haben zugelassen, das man auch Zeit sammeln konnte. Meist konnte man auch nur etwas downloaden, wenn man selbst etwas upgeloadet hat. Wobei mit dem Aufkommen von CD ROMS, haben viele Mailboxen davon Abstand genommen. Die Zeitreglung dürfte vor allem in West Berlin interessant gewesen sein, da hier nur 23 Pfennig innerorts pro Verbindung berechnet wurde. In Westdeutschland wo der Zeittakt / Tarif zur Gebührenberechnung benutzt wurde, dürften die meisten User aus Kostengründen ihre Onlinezeit selbst reguliert haben.
In den Anfangszeiten waren die Mailboxen eher textlastig. Für fast jeden Computertyp wo ein Modem angeschlossen werden konnte, wurde ein Terminal- / Mailboxprogramm entwickelt. Damit die unterschiedlichen System sich verstehen, hat sich die Terminalemulation VT52 / VT100 mit dem IBM Zeichensatz in der Mailboxszene etabliert.
Die Terminalemulation ermöglichte es Texte farblich und mit Schriftzeichenattributen (z.B. fett) darzustellen. Zusätzlich gab es die Möglichkeit den Cursor zu steuern oder den Bildschirminhalt zu löschen. Der IBM Zeichensatz (bzw. MS DOS Zeichensatz) boten nicht nur die normalen Schriftzeichen und Zahlen an, sondern kleine Grafiksymbole, welche es erlaubten, Grafiken zu erstellen.

Screenshots von 4 verschiedenen ANSI Grafiken
Diese Art der Darstellung nannte sich im Sprachgebrauch auch ANSI Grafik, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Bezeichnung durch den Treiber ANSI.SYS geprägt wurde, da dieser unter DOS geladen werden musste, wenn man eine farbliche Darstellung wollte.
Damals hatten viele Mailboxen auch noch eine Art schwarz/weiß (ASCII) Modus im angebot für die Computersysteme die keine Farbdarstellung konnten.
Pixeldarstellungen durch Grafiken gab es vom Prinzip nicht. All die optischen Funktionen sind durch die Terminalemulationscodes (ESC Codes) und dem verwendeten Zeichensatz
entstanden. Durch die unterschiedlichen Grafikmöglichkeiten konnte man in einer Mailbox auch Angeben, wie viele Zeichen in der Breite und Höhe dargestellt werden konnten. Dies hatte nur deswegen funktioniert, weil ein Zeichen immer den gleichen Abstand zum nächsten Zeichen (Fixfont) hatte.

Screenshot vom DOS Programm THE DRAW im Anzeigemodus
Da nur Text recht trocken ist, wurde auch für die HomeCon BBS ein paar einfache ANSI Grafiken gestaltet.
Als erstes sollte die Box ein Logo bekommen. Da es schon ein HomeCon Logografik gibt, wollte ich dieses nachgestalten und habe hierzu auch ein paar Konverter probiert, aber die Ergebnisse waren alle nicht so berauschend, da man ja auch nicht mit Schriftzeichen so ins Detail gehen kann. So habe ich zwei ähnliche Varianten entwickelt.
Generell für die Menüdarstellung habe ich das altes DOS Programm TheDraw benutzt. Auch wenn es inzwischen einige andere Programme für das aktuelle Windows gibt, ist TheDraw mit das Beste. Gut, es wurden bei uns auch keine schöne Bilder, sondern kleine Schriftzüge in Farbe gebastelt.

HomeCon BBS Rechner WIN Desktop mit geöffneten Editor zu Texterstellung
Man mag es kaum glauben, aber bei solchen Aktionen wie Bildchen- oder Menüerstellung vergehen nicht nur ein paar Stunden, sondern ganze Wochenenden ... Da die Mystic Software auch verschiedene Emulationen anbietet, müssen die Haupttexte in einem bestimmten Textcode angegeben werden. Dieser Textcode ist dem VT100 schon angelehnt, aber nicht 100% kompatibel. Somit sind auch einige Stunden im normalen Texteditor verbracht worden, um die Bilder/Texte für die HomeCon BBS anzupassen.

Screenshot Untermenü aus der HomeCon BBS
Bei solch einer Menüdarstellung ist der obere Schriftzug HomeCon eine ANSI Grafik, die verschiedenen Menüpunkte werden wiederum durch die Einzelkonfiguration der Befehle / Menüpunkte hinzugefügt. Bei der Textdarstellung wird ein Mystic eigene Programmiersprache angewannt. Man hätte auch alles einfarbig machen können, aber das sieht doch zu langweilig aus.
Da die TK Anlage erst kurz vor der VCFe den Weg zu uns gefunden hat, wurden die ersten Tests zwischen Mailbox und Einwahlrechner mittels Nullmodemkabel realisiert. Die Schnittstellen am PC wurde auch mit einem Nullmodemkabel gemacht. Hierzu wurde ein Port der Mailbox gestartet und das Windows Hypercom, Somit konnte sicher gestellt werden, dass die PC Seriellenschnittstellen auch ihren Dienst verrichten. All diese kleinen Tests haben gezeigt, dass die Mailbox vom Prinzip funktioniert.
Was zum Problem wurde sind die Spiele ... DoorGames ... kleine Programme, die selbstständig und außerhalb der Mailbox laufen. Hierzu werden bestimmte Fossil-Treiber benötigt, damit die Carrierübergabe zwischen Mailbox und dem Door-Programm korrekt funktioniert. Auch unter Win ME gab es div. Probleme, dass die Door-Programme mit den internen Modemkarten funktionieren. Leider hat zum Schluss die Zeit gefehlt um in die Thematik tiefer einzusteigen.

Testaufbau des Mailbox Rechners mit TK Anlage, Amiga und PC Klapprechner
Die Mailbox lief, die TK Anlage wurde geprüft und somit konnten die Einwahlrechner vorbereitet werden. Der PC war ein alter Laptop und hat keine Probleme gemacht. Für den C64 haben wir das NovaTerm gefunden und der Amiga … ja genau der Amiga … wieder ein Problem. In meinem Fundus hatte ich kein funktionierendes Terminalprogramm. Nach etwas suchen auf div. PD Disketten habe ich HydraCom gefunden. Ein Übertragungsprotokoll mit einem kleinen Terminalprogramm. Über das Internet wurde das HydraCom für den PC organisiert. Nullmodemkabel dran und los gings um NCOM auf den Amiga zu übertragen.

Screenshot vom Amigaprogramm (Protokoll) HydraCom
Oh je … mehrere Versuche und zwei Stunden später war NCOM auf einer Amiga Disk.
Hätte ich geahnt was für ein Theater die Übertragung bedeutete, dann hätte ich eher um Hilfe gebeten. Keine Ahnung wo genau das Problem lag, aber wir hatten nun ein Amiga Terminalprogramm was mit der Mailbox kommunizieren konnte.
An sich war und bin ich mit der Mystic Software recht zufrieden. Leider war die Entscheidung in einem Punkt nachteilig. Es gab kein Protokoll um ein Datenaustausch mit der Crazy Paradise BBS von Iron zu realisieren und damit war das Polling gestorben ... wirklich schade, aber bis zur VCFe 11.0 war es nicht mehr weit und es sollte ja eine funktionierende Mailbox sein …
Das was ich beschrieben habe, ist recht grob umschrieben. So eine Mailbox einzurichten ist kein Hexenwerk, aber es gibt viele Fehlermöglichkeiten und kleine Fallen, warum etwas nicht funktioniert. Es muss ein Rechner auf Hardwarebasis funktionieren, Modems müssen konfiguriert werden, die Mailboxsoftware installiert und dann das eigentliche Angebot (Inhalt) entwickelt werden.

Bild: Aufbau der HomeCon BBS auf der VCFe 11.0
Ursprünglich wollte ich nicht mit nach München fahren, sondern nur von der „Ferne“ helfen, aber da Quarkbeutel absagen musste, habe ich Hessi versprochen mitzukommen.
Die Mailbox war zum Schluss für ein Vierport Betrieb vorbereitet. Auch wenn nicht alles ganz so funktionierte wie ich es mir gewünscht habe, gab es trotzdem einiges für die Besucher zu sehen und entdecken.
Die VCFe 11.0 war meine erste Veranstaltung dieser Art und die zwei Tage haben mir sehr gut gefallen. Es kam zu interessanten Kontakten und Gesprächen.

Bild: Die schweizerischen Mitaussteller schauen sich unsern Stand genauer an.
Viele Besucher und Mitaussteller haben sich das ganze mit unserer Mailbox und Einwahl erklären lassen, aber nur wenige haben sich wirklich von selbst an die Rechner getraut.
Und ein ist klar, es hat nicht alles so funktioniert wie es sollte ... auf der Veranstaltung war scheinbar mein Amiga 500 so vom Lampenfieber gepackt, dass er seinen Dienst quittiert hatte ... Zum Glück hatte Hessi noch seinen kleinen A600 dabei, aber dummerweise hatte ich keine richtiges Terminalprogramm auf Diskette dabei, weil ich bei meinen Amiga 500 eine Festplatte dran gehangen hatte. Zum Glück hatte ein anderer Teilnehmer mit einem Amiga und Internet uns schnell ausgeholfen. Der C64 wollte gar nicht mehr mit seinem Modem bzw. RS232 Karte sprechen ... leider hatten wir das auf der VCFe nicht mehr hinbekommen, aber das hatte keinen Abbruch getan. Einigen Vätern hatte es gereicht um ihren Kindern zu zeigen, so sah mein Computer damals aus und mit so einem ähnlichen Telefon habe ich dann per Akustikkoppler in einer Mailbox (eine Art altes Internet) eingewählt.

Bild: Der HomeCon Stand auf der VCFe 11.0.
Neben der Mailbox und Einwahlrechnern hatten wir noch Hessis schönes Regal mit verschiedenen Modems und Rechnern als Anschauobjekte mit Kurzbeschreibung aufgebaut. Wir hatten vom Akustikkoppler, altes 1200 Baud Modem bis zu einer aktuellen Analog PCI 56K Modemkarte und exotische Modems alles dabei.
Und eins habe ich auch da gelernt. Die meisten Eltern kennen die HomeCon Typen sehr gut, weil es immer eine schöne Spieleecke gab. Wie mir von einem Vater gesagt wurde, war die Endtäuschung sehr groß, weil auf der Bühne nichts aufgebaut war, denn da waren sie doch im letzten Jahr. Nachdem der Blick vor der Bühne frei wurde, waren die Kiddies kaum noch zu halten ;-).
Nicht alles konnten wir auf der VCFe nachstellen, aber ich glaube, dass viele Besucher ebenfalls an alte Zeiten erinnert wurden. Vieles, was heute als selbstverständlich hingenommen wird, war damals einfach anders. Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war, aber ich muss feststellen das eine Art von digitaler Kultur verloren geht. Viele die mit Homecomputer z.B. von Commodore oder Atari aufgewachsen sind, haben ihren Einstieg über Datenfernübertragung in die heutige Internetwelt gehabt. Es gibt zu der Hardware auch viele interessante Webseiten, aber zum Thema alte Mailboxen / BBS wird es im deutschsprachigen Raum leider recht schwierig.

Bild: Zweite Platz Pokal für den HomeCon Stand.
Ich habe mich sehr über den zweiten Platz gefreut. Es war eine super Bestätigung für unsere Überlegungen und Umsetzung.
Im englischen Sprachraum gibt es noch recht viele Mailboxen, aber das deutsche Angebot ist eher gering. Aber es gibt sie immer noch. Die Crazy Paradise aus Berlin kann zwar nicht mehr per Telefonleitung angewählt werden, aber sie ist über das Internet / TelNet 24h erreichbar. Weitere Informationen wie man sich in die Mailbox einwählen kann, findet man auf der Webseite der Crazy Paradise.
Und zum Abschluss noch ein paar Screenshots der HomeCon BBS und interessante Links zur VCFe und dem Thema Mailboxen/BBS.

Screenshot HomeCon BBS: Übersicht der Ports und weitere Sysop - Funktionen

Screenshot HomeCon BBS: Der Sysop kann über die Mailbox fast alle Einstellungen vornehmen.

Screenshot HomeCon BBS: Auswahlfenster zu den verschiedenen Brettern / Pinboards.

Screenshot HomeCon BBS: Chatten der User untereinander oder mit dem Sysop.

Screenshot HomeCon BBS: Hauptmenü mit aufruf der BBS Listenfunktion.

Screenshot HomeCon BBS: Wer wollte konnte Einzeiler (Kurznachrichten) hinterlassen.

Screenshot HomeCon BBS: Ein paar Private Nachrichten haben den Sysop ebenfalls erreicht.

Screenshot HomeCon BBS: Ein paar Private Nachrichten haben den Sysop ebenfalls erreicht.

Screenshot HomeCon BBS: Kleine ANSI Grafiken/Texte konnten auch aufgerufen werden.

Screenshot HomeCon BBS: Mit einem Fullscreen Editor schreibt es sich viel schöner.

Screenshot HomeCon BBS: Irgendwann loggt sich leider jeder aus ...

Screenshot HomeCon BBS: Irgendwann loggt sich leider jeder aus ...

Screenshot HomeCon BBS: Abschiedgrüße an den Mailbox - Besucher ...
Infos zur Veranstaltung VCFe 11.0
Webseite: Crazy Paradise BBS
Webseite: Mystic BBS Software & Erweiterungen
Webseite: BBS Corner's Telnet Liste (C)
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