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TV-Tip: "Ey, was macht'n der Spacko da?"

hessi
Gründungsmitglied der HomeCon und im Vorstand des HNC e.V.
Sammelt seit 1980 Telespiele, Homecomputer und Arcadeautomaten.

Unverständlicher Weise wird ab Juli 2011 die Sendung Neues auf 3Sat eingestellt, die seit 1992 im Programm war. Im IT-Sektor ist eine Lebensdauer von fast 20 Jahren mehr als nur eine Ewigkeit. Vordergründig wird dieser Schritt damit begründet, dass sich der Sender mehr auf Wissen und Wissenschaft konzentrieren will. Als Nachfolger des ebenfalls eingestellten zdf.Theaterkanals wurde zdf.Kultur eingeführt, auf dem Teile des Neues-Teams nun das Format Pixelmacher auf die Beine stellen. Diese Sendung befasst sich mit Computer- und Videospielen von gestern, heute und morgen. Die Machart geht mit ihrer quirligen, aus dem Handgelenkt gedrehten Art gewollt Richtung YoutTube-Channel.

Die erste Sendung handelt von Zombies, Rollenspielen, Endbossen, Urban Hacking und dem neuen Spiel Portal 2, welches als "zweite Version von Portal 2" angekündigt wird, aber wir wissen ja, was gemeint ist. ;-) Auch, dass bei den Endgegnern mit keiner Silbe DER Endgegner überhaupt, nämlich Donkey Kong, erwähnt wird, schreiben wir mal der Jugend der Macher zu.

Aufgelockert wird das Ganze durch Videos wie "Endboss" von der Kapelle Materia. Wenigstens kommt dort DKs Plagegeist Mario drin vor. Die Moderation hat Lukas Koch inne, den Leuten unseres Alters mit Nachwux(tm) vor allem aus dem KiKa kennen. :)  

Retro ist vor allem, dass das Spiel "Plants vs. Zombies" besprochen wird, welches neben seiner eher old-fashioned-Art bereits bereits real einige Zeit auf dem Markt ist. :-P   Kam das alte 3sat Neues noch mit Hochglanzreportagen aus  einem stylischen Studio, so scheinen die Programmverantwortlichen den Pixelmachern gerade mal zwei Kameras und ein Mikrophon zur Verfügung zu stellen und sie mit den Worten "Macht mal!" vor die Tür gesetzt zu haben. Gedreht wurde offensichtlich in den Radaktionsräumen, im Heizungskeller des ZDF und auf offener Strasse. 

Bei Neues wurde eher doziert, die Pixelmacher scheinen drauflos zu filmen und statt geplante Interviews eher lockere Gespräche zu führen. Nett. Sehr nett! Dadurch wirkt das neue Format ehrlicher, direkter und frischer, es ist quasi näher an der Zielgruppe.  

Das hat alles was von "YouTube-Channel goes to Offener Kanal", auch wenn weite Teile der Sendung natürlich und zum Glück professionell, ohne Handycam und Windows-Moviemaker-Schnitten abgedreht wurden. Meine Befürchtung ging dahingehend, dass die Sendung mit Schnitten im Sekundentakt und einen Kameramann mit Namen Morbus Parkinson unschaubar hip werden würde.  

Dem Team macht die Arbeit Spass, wie man an jeder Minute der Sendung merkt. Einzig beschleicht mich das Gefühl, dass der Sender vielleicht ein klein wenig zu knauserig mit den zur Verfügung gestellten Geldmitteln ist. Das kann wegen mir so bleiben, solange das ZDF nicht wieder an eine Einstellung der Sendung denkt. Ob aber in deren Köpfe auch reingeht, dass die Generation Babyboom (= Generation VCS und C64) einen Großteil deren Zuschauer stellen könnte, wenn sie die nicht kampflos den Hohlbroten von RTL & Co mit deren menschenverachtenden Trashformaten überlassen würden?  

BTW: Eine Minute RTL II zerstört soviel Hirnzellen, als wenn man sich eine Stunde ununterbrochen mit dem Hammer auf den Kopf schlagen würde! :-D  

Um die Sendung am Leben zu erhalten, brauchen die Kollegen Einschaltquoten. Also fleissig Pixelmacher schauen und bei Umfragen immer sagen, dass man Pixelmacher total toll findet und bisher keine Sendung verpasst hat!  

Pixelmacher: 
Immer Freitags um 21:30 Uhr   

zdf.Kultur:
Astra Frequenz: 11954MHz, horizontal, SR:27500, SID: 28016

Link zur spärlichen Pixelmacher-Unterseite beim ZDF: Pixelmacher

Ich möchte noch schnell die merkwürdige Überschrift auflösen. Die kommt aus der Szene über Urban Hacking, in der Lukas Koch in der Fussgängerzone am Klapptisch frühstückt und meint, dass sich die meisten Leute wohl gerade fragen, was der Spacko da gerade macht. ;-)


In eigener Sache:

Das kann ich mir nun nicht verkneifen. Auf der o.a. Site wird etwas von Netzkultur geschrieben. Leider ist das für die "Entscheider" im ZDF ein völlig leeres Wort. Diese Leute befinden sich noch fest mit beiden Beinen in den 1960er Jahren. Die Nutzungsbedingungen für den ZDF-Presseclub sind völlig sinnfrei und völlig auf Programmzeitschriften zugeschnitten.  Diese stehen im krassen Widerspruch zu den Spürchen wie "Sieh Dich wach!", die man auf der ZDF-Site bestaunen muss. Darüber kann sich aber jeder selber überzeugen.

Ich zahle meine Rundfunkgebühren. Freiwillig! Bei mir war nie eine der GEZ-Nerven.
Für meine Gebühren verlange ich einfach einen Sender, der zeitgemäß ist und nicht meine Kohle den üblichen Seilschaften in der Produktion zuschanzt, sondern diese zukunftsgerichtet einplant und in Konzepte umsetzt, die in die heutige Zeit passen. Mit meinen 44 Jahren zähle ich ja bald zu den alten Leuten, für die das ZDF seit Menschengedenken ihre Sendungen konzipiert,.Vielleicht sollten sich die Programmverantwortlichen einmal darüber schlau machen, was ihre Zuschauer erwarten und nicht Frontal-Fernsehen für das Altersheim machen.

Ausdrücklich weise ich auch darauf hin, dass ich kein Privatfernsehen schaue. RTL, Pro7 & Co sind bei mir auf dem VDR sogar noch nach den Shoppingkanälen. Privatfernsehsendungen bedienen unterste Instinkte und gehen davon aus, dasss der Zuschauer noch dümmer sind als die Vorstände der Sender.

Ich sehe die vielen guten Spartenkanäle der ÖR und mein Dank geht an die intelligenten, und innovativen Produzenten, die Formate mit Herz und Hirn erdenken.

Kommentare   

 
0 #1 DaNDeE 2011-05-25 18:23
Oha.. du sprichst genau das, was mir im Kopf rumgeht. Das die öffentlich-rech tlichen an den Privaten orientieren tut weh. Statt Maßstäbe zu setzten, wird stumpf der Billigramsch abgekupfert und dies sogar schlecht. Gebühren gerne, aber dann bitte mit einer gescheiten Plattform, auf der genau ausgewertet / abgestimmt werden darf, was läuft (wozu haben wir denn das Internet?!??). Aber wie so oft, wenn wir Deutschen was mit Anlauf planene, wird meist eine ganz zähe Geschichte draus, die am ende noch weiter unter dem was der beste Kompromiss für beide gewesen wäre ist. Zu viele Egos, zu viel Vitamin-B und oft auch einfach nur Blödheit und fehlende Weitsicht. Traurig...
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